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Eleonore von La Chevallerie
Nachruf |
Am 14. 11. 2004 starb in Ehningen
Frau Eleonore von La Chevallerie,
Vizepräsidentin der Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft.
Frau von La Chevallerie wurde am 30. 8. 1926 als Tochter eines Offiziers in Gumbinnen / Ostpreußen geboren. Ihre Schulbildung im Kaiserin-Augusta-Stift in Potsdam wurde durch den Kriegseinsatz bei der Luftabwehr (Scheinwerferdienst) jäh abgebrochen. Ihr Vater starb an einer schweren Kriegsverletzung. Die Familie mußte 1945 den Verlust von Heimat und Besitz erleben und fand schließlich Zuflucht bei Verwandten in Süddeutschland. In den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit und in der allgemeinen Not war es für die junge, aufgeschlossene und vor allem für Literatur begeisterte Eleonore von La Chevallerie undenkbar, einen ihr gemäßen Bildungsweg einzuschlagen. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie mit Büroarbeiten bei der amerikanischen Besatzungsbehörde und als Erzieherin in befreundeten Familien.
Es bedeutete für sie eine Lebenswende, als sie im Jahre 1961 von Gertrud von le Fort in Oberstdorf als Sekretärin engagiert wurde. Die Dichterin war damals 85 Jahre alt. Eleonore von La Chevallerie sorgte für eine ungestörte Arbeitsatmosphäre, erledigte die offizielle Korrespondenz, entzifferte handgeschriebene Texte und stellte die Druckfassung der Manuskripte her. Darüber hinaus wurde sie immer mehr zur Gesellschafterin und Vertrauensperson, übernahm schließlich auch Wirtschaft und Haushaltsführung und begleitete treu die greise Dichterin durch die letzten schweren Lebensjahre bis zum Tod 1971, oft bis zur völligen Erschöpfung ihrer eigenen Kräfte.
Gemäß testamentarischer Verfügung übernahm Eleonore von La Chevallerie die Autorenrechte an den Werken le Forts und vertraute den literarischen Nachlaß dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach an. Sie arbeitete unermüdlich an der Ordnung und Katalogisierung des Nachlasses und fertigte maschinenschriftliche Abschriften vieler kaum lesbarer handschriftlicher Texte an. Sie organisierte Ausstellungen, hielt Vorträge und diente bis zuletzt mit großer Hingabe der Verbreitung der Kenntnisse von Leben und Werk der Dichterin.
Eine neue Heimat fand Eleonore von La Chevallerie für fast drei Jahrzehnte im Konvent des Evangelischen Damenstiftes des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Isenhagen bei Celle. Im Sommer war sie im Führungsdienst des Klosters mit seiner fast vollständig erhaltenen mittelalterlichen Ausstattung tätig, den Winter verbrachte sie meist im Deutschen Literaturarchiv in Marbach mit der Arbeit am Nachlaß der von ihr über alles geliebten Gertrud von le Fort. Ihre späten Lebensjahre waren ausgefüllt mit der oftmals sehr schweren Pflege ihrer Mutter, nach deren Tod sie das Kloster Isenhagen verließ.
Eleonore von La Chevallerie war es auch, die im Jahre 1982 die Gründung der Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft anregte. Zusammen mit dem Gründer und langjährigen Präsidenten,
Prof. Dr. Lothar Bossle, hat sie sich als Vizepräsidentin vielfältig für die Ziele der Gesellschaft eingesetzt und große Verdienste erworben.
Persönlich bedürfnislos und anpassungsfähig auch in schwierigsten Situationen, konnte sie sich großzügig auch von eigentlich unentbehrlichen Mitteln trennen um einer Sache willen, die ihr am Herzen lag. Ihr Leben lang übte sie die altpreußischen Tugenden redlicher Pflichterfüllung und treuen Dienstes, und zwar so, daß sie die Pflicht gern erfüllte und den Dienst mit liebevoller Hingabe zu ihrer eigenen Sache machte.
Wir schulden ihr von Herzen Dank und werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
Für die Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft:
Dr. Antje Kleinewefers, M.A.
Präsidentin
Für das Deutsche Literaturarchiv, Marbach:
Dr. Jochen Meyer
Leiter der Handschriftenabteilung |
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