Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft

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Studientag Mooshausen

Der alljährlich im Frühjahr stattfindende Studientag in Mooshausen steht ebenfalls allen Interessierten offen, wendet sich aber besonders an Schüler und Lehrer weiterführender Schulen. Er wird zusammen mit dem » Freundeskreis Mooshausen e.V. veranstaltet. Die Programme widmen sich häufig einzelnen Werken le Forts, die, teils im Vergleich, gründlich interpretiert werden. Außerdem kommen Themen aus der Biographie le Forts zur Sprache, z.B. ihre Beziehungen zu zeitgenössischen Schriftstellern (Hesse, Zuckmayer u.a.), oder auch ganz praktische Fragen bzw. Erfahrungen aus dem Schulunterricht.
 
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» Faltblatt zum Studientag Mooshausen 2003 (PDF-Format, 67 KB)
» Faltblatt zum Studientag Mooshausen 2002 (PDF-Format, 69 KB)
» Faltblatt zum Studientag Mooshausen 2000 (PDF-Format, 89 KB)
 
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Studientag Mooshausen 2002

Gertrud von le Fort (1876-1971) – heute noch Schullektüre?
 
Unter diesem Titel veranstaltete der Freundeskreis Mooshausen zusammen mit der Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft einen Studientag für Gymnasiallehrer am Samstag, dem 8. Juni 2002, im Alten Pfarrhaus von Mooshausen bei Memmingen.
 
Hauptreferenten des Vormittags waren Dr. Roswitha Goslich, M.A., München, und Prof. Dr. Georg Langenhorst, Erlangen/Nürnberg. Beide gehören nicht mehr dem althergebrachten le-Fort-„Fanclub“ an, sondern vertreten eine jüngere Generation von Lesern und Wissenschaftlern.
Sie wandten sich aufgeschlossen und sensibel, aber auch mit z.T. recht provozierenden Fragen dem scheinbar antiquierten Thema zu, also im besten Sinne kritisch.
 
Roswitha Goslich, frisch promovierte Germanistin und Philosophin aus München, trug ein Kapitel aus ihrer noch unveröffentlichten Doktorarbeit vor. Ihr Referat „Die Überwindung der Angst in unserer Zeit – Gedanken nach Gertrud von le Forts Novelle ‚Die Letzte am Schafott‘“ widmete sich zunächst der Entstehungszeit dieser Novelle (1931), wies auf die deutlich warnenden Zeitbezüge des Werkes hin (Weimarer Republik, aufkommender Nationalsozialismus) und untersuchte die ihm zugrunde liegende Philosophie von Sören Kierkegaard. Auf dieser Grundlage brachte die Werkanalyse Einsichten, die sehr konkret auch heute z.B. in der Erziehung umzusetzen wären.. Das heißt, die Dichtung le Forts ist offenbar nicht nur geeignet, als Schullektüre unter literarischen Gesichtspunkten gewürdigt zu werden, sondern sie vermag der Jugend heute auch Wegweisung, Lebenshilfe zu geben.
 
Dagegen versprach Georg Langenhorst, Professor für Didaktik des katholischen Religionsunterrichts, seinen Hörern einleitend, er werde sie gewiß „nicht beglücken“; aber als er am Schluß seines sehr differenzierten Vortrags angelangt war, lautete seine Antwort auf die Leitfrage des Studientages: Ja, man kann Gertrud von le Fort durchaus auch heute noch mit mancherlei Gewinn in der Schule lesen. Jedoch biete ihr Gesamtwerk kein einheitliches Bild, vieles sei ambivalent; aber gerade so könne es positiv als Herausforderung verstanden werden. Zum Beispiel sei in Ulla Hahns neuem autobiographischen Roman „Das verborgene Wort“ von Gertrud von le Fort durchaus lobend die Rede: sie sei eine Dichterin, „deren Werk Mächtige stört“; viele weibliche Figuren in ihren Erzählungen seien „starke Frauengestalten“. Andererseits lasse es sich nicht leugnen, daß le Forts Frauenbild insgesamt sehr konservativ sei.
 
Im Laufe der zweiten Gruppe von Vorträgen am Nachmittag kam die Praxis zu Wort: drei Lehrer des Gertrud-von-le-Fort-Gymnasiums in Oberstdorf hatten sich mit dem Werk der Namenspatronin ihrer Schule beschäftigt und berichteten von den Ergebnissen ihres Deutschunterrichtes. LAss‘ Dr. Marion Presslich hatte mit ihrer 5. Klasse Aphorismen von Gertrud von le Fort besprochen, StR‘ z.A. Heike Schäfer hatte für ihre Schüler der 6. Klasse frühe Romgedichte der Autorin entdeckt. Beide Kolleginnen schilderten jugendlich unbefangen und lebhaft engagiert ihre Unterrichtserfahrungen und zeigten die originellen Resultate in Form von Schülerarbeiten. Dabei war ganz klar zu erkennen, daß die Schüler nicht nur mit Freude und großem Eifer gearbeitet, sondern auch bemerkenswert viel gelernt hatten, jeweils ihrem Alter entsprechend. Besonders eindrucksvoll waren Heike Schäfers Übungen zum kreativen Schreiben in der 6. Klasse: die Schüler formten nach bestimmten Vorgaben die Gedichte le Forts um und erreichten dabei mit ihren eigenen „Werken“ sowohl emotional als auch sprachlich z.T. erstaunlich Erkenntnisse, die sie - als Elf- oder Zwölfjährige – abstrakt noch gar nicht formulieren konnten.
 
OStR Rudolf Brater berichtete von der Lektüre der Novelle „Das Gericht des Meeres“ im Deutschunterricht der 10. Klasse. Eindrucksvoll zeigte er, wie gerade die „Fremdheit“ des Textes in Sprache und Inhalt die Schüler herausforderte. Man schrieb u.a. einen Zeitungsartikel (stilistisch war von FAZ bis BILD alles möglich!) über die mysteriösen Begebenheiten, die in der Novelle geschildert werden. Man erfuhr etwas über die starke Treuebindung in einem mittelalterlichen Lehensverhältnis, indem man die Szene eines Lehenseides im Klassenzimmer nachspielte. Und die Sechzehn-, Siebzehnjährigen stellten nicht nur wesentliche Fragen, sondern fanden auch kluge Antworten zum zentralen Sinn der Novelle. Daraus ergab sich in wichtigen Punkten auch eine Korrektur zu einigen Thesen von Georg Langenhorst, ohne daß Brater das eigens hervorzuheben brauchte.
 
Das abschließende Rundgespräch litt etwas unter Zeitmangel, so daß manche wichtige Frage nur angeschnitten werden konnte. Dem Zeitmangel war leider auch ein Kurzreferat von Dr. Antje Kleinewefers über le Forts Schweizer Vortrag „Unser Weg durch die Nacht“ (1947) zum Opfer gefallen. Trotzdem waren Publikum und Referenten sich einig, daß der Studientag vielfältige Aspekte zum Thema und Anregung zu weiterer Arbeit geboten habe. Besonders ermutigend waren die Berichte aus dem Oberstdorfer Gymnasium. Allerdings kam auch der dringende Wunsch nach neuen, für Schüler erschwinglichen Werkausgaben zur Sprache. Hier ist die Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft in die Pflicht genommen!
 
Der » Freundeskreis Mooshausen e.V. plant – in Zusammenarbeit mit der Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft – die Fortsetzung eines solchen Austausches von Wissenschaft und Schule vor einer interessierten Öffentlichkeit, wobei man besonderen Wert auf den engen Kontakt mit dem » Gertrud von Le Fort-Gymnasium Oberstdorf legt.
 
Dr. Antje Kleinewefers