Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft

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Jahresrückblick - Weihnachten 2006

„Wir sagten: das Kind in der Krippe und seine Mutter stellen das Urevangelium dar – das Kind als Geschenk der göttlichen Liebe, Maria als erste menschliche Liebe, die es aufnahm. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen beiden: die menschliche Liebe antwortet nicht nur der göttlichen, sondern sie bezeugt sie auch. Das bedeutet, der mangelnde Glaube unserer Zeit hängt sehr weit mit dessen ungeheurer Lieblosigkeit zusammen. In demselben Maße wie sie sich der Menschenliebe öffnet, wird ihr die göttliche Liebe wieder glaubhaft werden. Ja, um die Wahrheit zu sagen, die menschliche Liebe ist der einzige Gottesbeweis, den weite Kreise der heutigen Welt noch anzunehmen geneigt sind. Es ist kein rationaler Beweis, allein die Ratio wird ihn schwerlich entkräften können, denn wir haben unser Sein nicht von uns selbst empfangen.“
 
Gertrud von le Fort, Das kleine Weihnachtsbuch (1954)
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
 
in le Forts Novelle „Am Tor des Himmels“ bleiben als letzte und einzige Grundpfeiler, die das Leben eines Menschen zu tragen vermögen, Wahrheit und Liebe. Beides haben wir jedoch nicht im Sinne unverrückbaren Besitzes, sondern nur, indem wir offen und bereit sind, aufrichtig, mit ganzer Kraft danach zu streben und – uns beschenken zu lassen. Denn Wahrheit und Liebe, das ist Gott selbst, und in der Geburt seines Sohnes hat er uns das größte, das einzige Geschenk gemacht, worauf es in der Welt, in der Geschichte des Menschen allein ankommt.
 
Vielleicht erinnern Sie sich bei dem Stichwort „Wahrheit und Liebe“ auch an die Reisen des Papstes in diesem Jahr. In seinen Reden und in der gesamten Präsenz seiner Person ging und geht es immer wieder um diese grundlegende Einsicht.
 
Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Wir blicken dankbar auf eine ganze Reihe von Veranstaltungen zurück, welche, so hoffen wir, die Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft ein wenig vorangebracht haben im Sinne ihres Zieles, dem Werk der Dichterin und seiner Verbreitung zu dienen.
 
Das beiliegende Protokoll der diesjährigen Mitgliederversammlung ist für viele von Ihnen wenigstens eine knappe Information über die Ereignisse des abgelaufenen Jahres in unserer Gesellschaft. Jedoch möchte ich hier in Form einer Chronik doch noch etwas ausführlicher berichten:
 
  1. Im Februar haben wir mit einer fachkundigen Fotodesignerin in Berlin die Gestaltung unserer Homepage abgestimmt. Seit August präsentieren wir uns nunmehr im neuen Gewand im Internet. Herzlichen Dank noch einmal an Herrn Dr. Männig für seine tatkräftige Initiative!
  2. Die Vorstandssitzung im März (17. – 19.3.) fand dieses Jahr im Deutschen Literaturarchiv Marbach statt. Das sollte unsere Verbindung zu diesem bedeutenden Institut festigen. Denn in Marbach befindet sich ein großer Teil des Nachlasses von Gertrud von le Fort; außerdem hat unsere verstorbene Vizepräsidentin, Frau Eleonore von La Chevallerie, die Autorenrechte le Forts testamentarisch dem Literaturarchiv Marbach vermacht.
  3. Ebenfalls im März, am 25. 3., fand der Studientag in Mooshausen statt, dieses Mal zum Thema „Die Frau des Pilatus“, wie immer in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Mooshausen e.V., dem wir viel verdanken.
  4. Mitte Mai ist unsere Geschäftsstelle umgezogen. Die neue Adresse lautet: Kempener Allee 9, 47803 Krefeld. Fax und e-mail-Adresse sind gleichgeblieben.
  5. Im Juni (17./18.6.) fand in Ludwigslust der Mecklenburg-Vorpommern-Tag statt, auf dem sich – neben vielen anderen Organisationen – auch die evangelische und die katholische Kirche gemeinsam präsentiert haben. In diesem Rahmen hat die Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft eine literarische Stadtführung und eine Lesung angeboten; beides war erfreulich gut besucht.
  6. Ende Juni (30.6./1.7.) veranstaltete die Stefan-Andres-Gesellschaft im Literaturarchiv Marbach ein Symposion zum Thema „Gerettet und zugleich von Scham verschlungen. Neue Annäherungen an die Literatur der „Inneren Emigration’.“ Daran waren außer der Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft auch die Gesellschaften für Elisabeth Langgässer, Werner Bergengruen und Reinhold Schneider beteiligt. Dieses Symposion war sicher eine bedeutende Etappe in der Wahrnehmung und Erforschung dieses Teils der deutschen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, der bisher noch viel zu wenig bzw. nur allzu einseitig beachtet worden ist.
  7. Die Jahrestagung in Würzburg im August (24. – 27.8.) brachte wichtige neue Einsichten zur Biographie Gertrud von le Forts, speziell zur Herkunft der Großmutter mütterlicherseits, Karoline Bauer, (Dr. H. Renz) und zur Verankerung der „Hymnen an die Kirche“ in der Philosophie des 20. Jahrhunderts (Prof. H.-B. Gerl-Falkovitz).
  8. Im September (12. – 15.9.) referierte unser Vorstandsmitglied Dr. J. Pottier an der Universität Heidelberg bei dem Kolloquium, das dem französischen Renouveau catholique und seinem Einfluß auf die deutsche Literatur im 20. Jahrhundert (u.a. Gertrud von le Fort) gewidmet war. Diese Veranstaltung diente – als eine von mehreren – der Vorarbeit zu dem geplanten „Handbuch des literarischen Katholizismus in Deutschland“.
  9. Der Oktober (11.10.) brachte in Oberstdorf eine besonders schöne Veranstaltung in der Reihe „Gertrud von le Fort zum Geburtstag“, wobei sich unser Vorstandsmitglied M.Schäfer, in Zusammenarbeit mit dem Gertrud-von-le-Fort-Gymnasium, wieder sehr erfolgreich für die Organisation eingesetzt hat.
  10. Am 31.10. schließlich durfte die Präsidentin der GvlF-Gesellschaft in Boek (Müritz) vor dem ehemaligen Gutshaus einen Gedenkstein für Gertrud von le Fort enthüllen. Damit waren auch ein Vespergottesdienst in der St. Johanniskirche Boek, eine Lesung und ein Empfang im Gutshaus verbunden. Eine Initiative des Fördervereins St. Johanniskirche und der Bevölkerung in Rechlin-Boek, für die wir sehr dankbar sind.
 
Fazit: viel Arbeit und Mühe bei allen Beteiligten und große Freude und Dankbarkeit für alles, was erreicht worden ist!
 
Im Namen des Vorstands wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen recht frohe Weihnachten und im Neuen Jahr Gottes Segen, Glück, Erfolg und nicht zuletzt auch gute Gesundheit.
 
Krefeld, 3. Advent 2006
 
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Jahresrückblick - Weihnachten 2005

„ (...) ja, es kommt eigentlich nur auf den Satz an:
> ... und Maria gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn es war für sie kein Platz in der Herberge ...<
Die Krippe mit dem Kind und seiner Mutter, das ist das Urevangelium:
>Und das Wort ward Fleisch< – Gott stieg zur Menschheit nieder.
Alles andere, der Gesang der Engel, die Anbetung der Hirten und die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland, sie bedeuten erst das zweite Kapitel der Weihnachtsgeschichte, sie stellen die ersten Antworten der sichtbaren und der unsichtbaren Welt auf das Mysterium der Gottesgeburt dar.“
 
Gertrud von le Fort, Das kleine Weihnachtsbuch
Zürich: Arche 1954, S. 15 f
 
Liebe Mitglieder,
liebe Freunde der Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft,


mein Gruß zu Advent und Weihnachten kommt dieses Jahr ein wenig früher als sonst; das hat einen besonderen Grund, von dem gleich die Rede sein wird.
 
Wir dürfen dankbar auf ein erfülltes Jahr zurückblicken: Unsere Jahrestagung in Waren (Müritz) war ein ganz besonders Erlebnis; eine Dame aus dem Kreis der Teilnehmer schrieb mir:
 
„Es waren wunderbare tiefe Erlebnisse, die unvergeßlich für uns sind, und die wir noch oft ‚im Herzen bewegen‘. Bleibend sind vor allem die Eindrücke der Begegnungen mit den Menschen in Ludwigslust, Boek und Polßen, nicht zuletzt aber auch die mit den Mitgliedern der Gesellschaft, von denen einige für uns von ganz besonderer Bedeutung waren und sind. Oft noch denke ich an die Fahrt über den Müritz-See, an den lauschigen kleinen Platz am Polßener See (...). Unvergessen bleibt auch der Besuch des Melliner Friedhofs, den wir genauso vorgefunden haben, wie er in >Hälfte des Lebens< beschrieben ist. Tief erschüttert hat uns der Besuch in Ravensbrück, aber auch der in Polßen, wo uns das innen total zerstörte Herrenhaus gezeigt wurde, und wo wir vom Schicksal der dort lebenden Menschen erfuhren.“
 
Dies sei stellvertretend für das allgemein sehr positive Echo zitiert. Dank vielen glücklichen Umständen, die zusammenkamen, dank vor allem den örtlichen Helfern und allen, die sich für die Sache eingesetzt haben, hat uns diese Tagung einen großen Teil der ersten „Hälfte des Lebens“ unserer verehrten Dichterin gleichsam ganz neu erschlossen.
 
Dieses Resultat können wir Ihnen nun auch in schriftlicher Form zur bleibenden Erinnerung anbieten:
 
  1. Wie Sie dem beigefügten Werbungsschreiben entnehmen, haben wir einen Kalender 2006 zum Thema „Heimat im Norden“ herausgebracht, den wir den Mitgliedern und allen Interessenten anbieten. Es wäre schön, wenn Sie sich seiner für einen Teil Ihrer Weihnachtsgeschenke bedienen würden. Ganz besonderer Dank für diese Edition gebührt unseren Mitgliedern Frau Dr. Krüger und Frau Prégardier. (Da das ganze Unternehmen unter großem Zeitdruck zustandegekommen ist, möge man die Fehler im Text, die der Korrektur entgangen sind, mit Nachsicht betrachten!)
  2. In den nächsten Tagen erscheint im Plöger-Verlag eine Broschüre mit den Tagungsvorträgen von Renate Krüger und Olaf Bauer, dazu sind auch die beiden Vorträge Renate Krügers vom Studientag Mooshausen 2004 abgedruckt und die Artikelserie von mir selbst im „Regionalanzeiger südliche Müritz“ aus dem Winter 2003/2004. Mit diesen Texten erhält der Leser eine gute Grundlage zum Thema „Heimat im Norden“, sowohl im Hinblick auf die persönliche Geschichte Gertrud von le Forts als auch die Familien- und Zeitgeschichte betreffend.
Der Studientag 2005 in Mooshausen zum Thema „Am Tor des Himmels“ hat einige ganz neue Einblicke in das Alterswerk Gertrud von le Forts gebracht. Leider war das Datum, der 28. Mai, sehr unglücklich gewählt, so daß die Lehrer, an die sich der Studientag in erster Linie wendet, wegen des Abiturs in Bayern und des nahen Schuljahrsendes nicht kommen konnten. (Herr Schäfer aus Oberstdorf hat als einziger seine Kollegen würdig vertreten!)
 
Am 14. Oktober fand in Oberstdorf zum ersten Mal ein Vortrag zum Geburtstag unserer Patronin (11. Oktober) statt. Herr Prof. Rotermund aus Mainz sprach zum Thema „Fast etwas wie eine Firmung“. Gertrud von le Fort und Carl Zuckmayer – eine Dichterfreundschaft. Seine Ausführungen beruhten vor allem auf dem noch unveröffentlichten Briefwechsel der beiden Autoren und brachten sehr interessante neue Aspekte, die, so ist es vorgesehen, demnächst auch im Jahrbuch der Zuckmayer-Gesellschaft nachzulesen sein werden. Der Vortrag fand vor einem aufmerksamen Publikum statt, das recht zahlreich erschienen war.
 
Die Vortragsreihe in Oberstdorf soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden; auf diese Weise will sich die Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft regelmäßig dort präsent halten und das Andenken an Gertrud von le Fort fördern – in der Hoffnung, daß eines Tages auch die geplante Gedenkstätte in Form eines kleinen Literaturmuseums Wirklichkeit wird.
 
Ich schließe diesen Brief mit Hinweisen auf das Programm des kommenden Jahres 2006:
 
25.03.2006    Studientag in Mooshausen
30.06.-02.07.2006 Symposion zum Thema „Schriftsteller der inneren Emigration“ in Marbach/Neckar. Eine Veranstaltung der Stefan-Andres-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Gertrud-von-le-Fort-Gesellschaft u.a.
24.-27.08.2006 Jahrestagung in Würzburg
Oktober 2006 Vortrag in Oberstdorf
 
Die Programme dazu sind in Arbeit und werden Ihnen Anfang des neuen Jahres mitgeteilt.
 
Ich wünsche Ihnen – uns allen – eine gesegnete, frohe Advents- und Weihnachtszeit und alles erdenklich Gute im Neuen Jahr: möge unsere persönliche Zukunft ebenso wie die Geschicke unseres Volkes, Europas und der ganzen Welt in Gottes Hand geborgen sein.
 
Krefeld, den 08.11.2005